09. Januar 2017 | Allgemein

Lemvig – ein Pilotprojekt

Lemvig – ein Pilotprojekt

Mit einem Team der Altersgruppe U12 haben die Capitol Bascats eine alte Tradition von Coach Roger Nagel gleich in ihrem ersten Jahr ins Programm aufgenommen. Hier folgt sein Bericht:

Das Turnier in Lemvig, bei dem es um den Limfjordcup geht, gibt es schon seit 1991. Bereits damals habe ich mit einer Mannschaft teilgenommen und war fasziniert von der Atmosphäre und dem sportlichen Angebot „zwischen den Tagen“ in einem Land, in dem man außer Basketball wegen der Lichtverhältnisse in Dezember kaum etwas machen kann. In einer Zeit, in der der Rest der Sportwelt „fett, faul und gefräßig“ nach den Weihnachtstagen auf dem Sofa herumliegt, konnte man hier sein Trainingsprogramm fortsetzen. Vor allem meinen damaligen Teams in Schleswig-Holstein hat der Schub durch die Teilnahme entscheidende Vorteile für die Rückrunden gegeben und damit geholfen, so manchen Landestitel zu gewinnen.

Auch 2002, bei der Aufnahme meiner Trainertätigkeit in Düsseldorf, bin ich nach Lemvig gefahren. Damals konnte ich 7 Mannschaften aus 2 kooperierenden Vereinen motivieren, dieses Turnier zu besuchen. Ich glaube, wir waren damals die erste Gruppe, die mit einem Doppeldeckerbus angereist ist.

Seit meiner letzten Teilnahme 2010 musste ich aus beruflichen Gründen aussetzen. Das hat sich nun erfreulicherweise geändert und ich habe seit dem Herbst überlegt, wie ich diese Tradition mit den Capitol Bascats fortsetzen kann. Dazu muss man ja die richtigen Spielerinnen und die richtige Elternschaft finden.

Die „Erfolgsserie“ meiner U13 hat mir dann zu denken gegeben. Ich habe ein Team, das vorwiegend aus Mädchen des jüngeren Jahrgangs besteht. Zudem sind wir in unserer basketballerischen Ausbildung noch etwa 1 Lichtjahr hinter den anderen Teams der Regionalliga zurück. Wir schaufeln also gegenwärtig Negativerlebnisse. Trotzdem steht die Elternschaft gefühlt ungebrochen hinter dem Programm und dem Coach und auch die Mädchen trainieren eifrig weiter. Kann uns da die Turnierteilnahme einen positiven Schub geben?

Ich war überzeugt davon und habe also die Werbung für „Lemvig 2016“ im Herbstcamp begonnen. 9 Mädchen aus dem Jahrgang 2005 wollten mitfahren und die Eltern von 6 Spielerinnen waren ebenfalls bereit, mit zu kommen. Mit Ula war zudem ein weiblicher Coach bereit, die Aufsicht im Teamquartier zu übernehmen. Der personelle Rahmen war also gesichert.

Organisatorisch und finanziell hatten wir – wie bei allen unseren Unternehmungen – keine Schwierigkeiten. Das ist immer wieder ein sehr wohltuendes Gefühl.

Und so haben wir uns dann am Abend des 27.12.2016 alle in Lemvig getroffen. Die Familien Schollenberger, Warnke, Dobras kamen aus ihren Ferienhäusern ins Idraetscenter, Andrea und Roger reisten aus Flensburg an und der VW-Bulli und der PKW Heinrich/Looser erreichten das Ziel direkt aus Düsseldorf.

Die Mädchen wurden nach dem Einchecken in ihr Quartier begleitet, wo über die Regeln für die nächsten Tage gesprochen wurde.

Den Turniereinstieg hatten wir am 28.12. gleich um 8.00 Uhr. Früher ging es nicht!!! Das bedeutete, kurz nach 6 Uhr aufstehen, waschen und fertigmachen für das Frühstück. Schnell was essen und ab in den Bus, um zur Spielhalle zu fahren. Dort war uns als Gegner der BK Amager versprochen worden. Das Team sollte im Alter U10 sein und gemischt, also mit Mädchen und Jungen antreten. Also U10 waren sie – aber ausschließlich Jungs. Naja – ist dann halt so. Wir haben mit 47:37 gewonnen und waren sehr zufrieden – vor allem über die 47 erzielten Punkte. Ein positiver Beginn also.

Bereits um 11.45 ging es dann weiter. Das nächste Mix-Team aus der U10 war Virum BBK. Auch hier: U10 stimmte, es waren erneut aber ausschließlich Jungs. Ich hatte das Team für schwächer gehalten als den ersten Gegner, aber das Ergebnis war dann mit 28:25 doch erheblich knapper und das Spiel vor allem zum Ende hin auch. Ich hatte mehrfach die Befürchtung, dass das noch schief gehen konnte. Gottlob haben wir aber gewonnen. Das war natürlich ein sehr erfreulicher Start in das Unternehmen.

Um 16.15 standen als Gegnerinnen die Hörsholm 79ers auf dem Plan. Das erste Mal ein Mädchenteam. Die haben uns dann auch gleich gezeigt, wie Däninnen spielen und uns mit .. besiegt.

Abends stand dann noch unser 4. Spiel um 20.00 Uhr an, das wir gegen die polnische Mannschaft von IUKS Lider gespielt haben. Es war schon spät am Abend, wir waren ziemlich platt und die Schiedsrichter hatten keine Lust, irgendetwas zu pfeifen. Die kleinen Polinnen haben uns ziemlich verdroschen und das Spiel auch noch mit 18:10 gewonnen. Damit waren wir ziemlich bedient – und auch froh, endlich ins Quartier zu dürfen und schlafen zu können.

Der zweite Tag begann dann ziemlich moderat. Wir hatten erst um 9.30 Uhr das erste Spiel. Die Mädchen von Lemvig Basket waren nicht so stark, so dass uns ein klarer … Sieg gelang. Ein prima Einstieg in den zweiten Turniertag. Da unser zweites Spiel an diesem Tag erst um 17.45 Uhr war, nutzen wir die Chance, zusammen Dänemark zu erkunden. Es ging mit dem Bulli nach Thyborön, wo wir Strand und Wasser genießen konnten und uns Muscheln angeschaut haben. Die abendlichen Gegnerinnen von den Skovbakken Bears waren das stärkste Team, dem wir dann auch mit … unterlegen sind. Damit war die Vorrunde abgeschlossen und wir standen als Gruppenvierte fest. Das bedeutet nochmal 2 Spiele am 30.12.2016.

Im ersten Play Off Spiel – bereits um 8.00 Uhr gab es die Wiederholung vom Vorabend. Wieder ging es gegen die Skovbakken Bears aus Kopenhagen. Und wieder haben wir verloren, wenn auch diesmal nur noch mit …

Im Spiel um Platz 3 trafen wir dann auf unsere polnischen Gegnerinnen. Mit denen hatten wir ja noch eine Rechnung offen. Das Spiel war dann auch der totale Hammer. Es ging immer sehr eng zu. Und verdroschen wurde auch dieses Mal recht heftig. Aber nicht unbedingt nur wir. In der sehr emotionsgeladenen Begegnung war es auch von der Zuschauerseite richtig laut. Rechts in der Halle die polnischen Supporter, in der Mitte Dänen und links engagierte deutsche Begleiter. Wir mussten uns in einem unfassbar spannenden Spiel am Ende mit 22:24 geschlagen geben. Alle unsere Mädels haben geheult wie die Schloßhunde. Wackelzähne und Ellenbogenchecks wurden beklagt – aber das war auf der anderen Seite sicher auch so. In dieser Situation kam der polnische Coach herüber und wir haben ein gemeinsames Abschiedsfoto verabredet. Die Teams haben sich gemischt im Mittelsprungkreis getroffen und fotografieren lassen. So soll es sein !!!

Wir sind ja gerade wegen der unterschiedlichen internationalen Spielweisen nach Dänemark gefahren. Da gehört es auch dazu, dass man lernt, einzustecken und auszuteilen. Unsere Mädchen haben in keiner Partie aufgesteckt. Darauf bin ich sehr stolz. Und – das ist das wichtigste – man muss lernen, ein Ergebnis mit dem Schlusssignal zu akzeptieren. Danach sind wir alle wieder nur Basketballer – und freuen uns auf ein nächstes Aufeinandertreffen.

Liebe Eltern, es wäre nett, wenn Ihr Sean mit den reichlich gemachten Fotos versorgen könntet. Das würde unsere Homepage und diesen Bericht sicher sehr schmücken.

Die Lemvig Tour 2016 war für Andrea und mich ein sehr eindrucksvolles Erlebnis. 2017 wollen wir mit allen unseren Jugendteams in einem großen Bus wieder nach Dänemark fahren. Hoffentlich seid ihr dann auch dabei.

Danke,

Roger Nagel

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