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Interview mit Omar Collington

Hallo Omar, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu dem Gewinn der
Meisterschaft mit den Damen 1 in der Regionalliga und dem damit verbundenen Aufstieg in die 2. Bundesliga.

1. Du bist jetzt schon einige Jahre Trainer. Was für einen Stellenwert nimmt der Aufstieg für dich persönlich ein?

Vielen Dank für die Glückwünsche.
Es war ein großartiger Erfolg für uns als Mannschaft und auch als Verein.
Ich bin nun in meinem 9. Jahr als Trainer.
7 Jahre in Deutschland und davor 2 Jahre in den USA.
An erster Stelle ist dieser Aufstieg ein persönlicher Segen für mich,  da ich weiterhin als erfolgreicher Trainer eines Teams stehen darf. Eine Meisterschaft ist das Ergebnis harter Arbeit und ist nicht einfach so geschenkt.
Ich habe mich mit 13 Jahren in diesen Sport verliebt und extrem viel gelernt , was ich nun bei bei meiner Mannschaft anwenden konnte. Großes Lob an das Team, das sich über die gesamte Saison mental sehr stark
gezeigt hat, da die Regionalliga physisch sehr stark war.
Letztlich ist das meine 6. Meisterschaft in 7 Jahren. Da kann man als Trainer nur stolz sein. 

2. Du bist jetzt das 3. Jahr als Headcoach bei den Capitol Bascats und bist jedes Jahr mit dem Team aufgestiegen. War das in diesem Jahr anders als in den Jahren zuvor?

Wie schnell die Zeit vergeht: 3 Jahre bin ich jetzt schon hier und den Verein gibt es erst seit 4 Jahren.Wir wollten von Anfang an eine erfolgreiche Atmosphäre bzw. Kultur erzeugen. Dahinter steckt sehr vieles, aber dieses Ziel kann man nur gemeinsam erreichen. Dieses Jahr, war definitiv anders als in den Jahren zuvor, da wir auch personell einige Veränderungen hatten. Wir mussten 5 neue Spielerinnen in das Team integrieren (Paula Cürten, Kirsten Rottmann, Iva Banozic, Yvette Adriaans und Tati
Tenorio). Das allein war eine große Aufgabe und dann hatten wir noch das
Ziel, oben mitzuspielen. Am Ende tatsächlich als Meister
hervorgegangen zu sein, ist gar nicht hoch genug zu bewerten.

3. Hast du mit diesem Durchmarsch gerechnet, als du hierher gekommen bist? Immerhin hast du davor immer Männermannschaften als Coach geführt.

Als ich hier her kam, hatte ich niemals gedacht, dass es einen solchen Durchmarsch geben könnte. Sowas wäre sehr vermessen gewesen.
Ich hatte sehr viel über den Unterschied zwischen Männer – und
Damenbasketball gehört und wusste am Anfang nicht, was auf mich zukommen würde, aber eins war mir von Anfang an klar: ich liebe dieses Spiel und ich bin für meine Mannschaft zuständig! Mit dieser Einstellung bin ich an diese Aufgabe herangetreten: neue Herausforderung, holen wir das Beste raus!

4. Wenn man dich betrachtet, scheinst du dich hier sehr wohl zu fühlen und du hast eine unglaublich positive Ausstrahlung. Was gefällt dir bei den Capitol Bascats am meisten?

Was soll ich sagen: Basketball und ich, das ist eine große Liebe. Wenn ich auf dem Feld bin oder am Rande als Trainer stehe, denke ich an meinen Weg bis hierher.
Es war ein sehr langer Weg von 1996 bis jetzt. Damals wurde mir oft gesagt, das wird nie etwas, das schaffst du nicht usw.
Ich bin froh, dass ich das Ganze nicht als Angriff genommen habe , sondern als Motivation. Es ist ein Geschenk Gottes.
Das erste Gespräch mit Roger und Sean hat mir einen kleinen Einblick über die Capitol Bascats gegeben. Natürlich sind reden und die Dinge umsetzen 2 verschiedene paar Schuhe, jedoch waren wir alle sehr motiviert und überzeugt davon, das Richtige zu tun, um den Frauenbasketball zu fördern. Und das ist bis zum heutigen Tag so geblieben. Zusammenfassend gesagt: jeder hier im Verein ist mit Leidenschaft dabei.
Basketball ist unser aller Liebe und Leidenschaft. Nur so kann man solche Ziele auch erreichen.

5. Wo liegt deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen einem Männer- und einem Frauenteam. Ich meine aus der Sicht eines Trainers. Worauf muss man besonders achten?

Natürlich fehlt bei den Frauen die Größe, so das z. B. Dunks nicht gemacht werden können, jedoch haben Kita und Tati es noch vor.  Mein Stil ist anders. Meiner Meinung nach ist das Gefühl von Sensibilität sehr wichtig.
Die Art wie man eine Spielerin/einen Spieler anschreit macht viel aus. Ich schreie z.B. nicht am Spielfeldrand, da ich Respekt vor meinem Team habe.  Ich versuche anders zu motivieren. Teamatmosphäre und ein starker Zusammenhalt ist für mich das A & O. 

6. Du kommst aus Amerika und hast da das Basketballspiel gelernt. Wo siehst du die größten Unterschiede zwischen den USA und Deutschland. Und wie können wir den Abstand zu den USA verringern?

Es ist richtig, mein Basketballheimatland ist die USA. Der größte Unterschied sind die Möglichkeiten, Basketball zu spielen zu können. In den USA kann ich jederzeit in die Hallen gehen (YMCA, Girls + Boys Clubs, Churches, Community Center usw.)
Außerdem findet man an jeder Ecke  Möglichkeiten um zu spielen. In Deutschland müssten viel mehr Flächen zur Verfügung gestellt werden. Dazu  müsste es mehr Kooperationen mit den Schulen geben, wodurch es jedem Spieler / Spielerin ermöglich gemacht wird, sein Spiel zu verbessern und es professioneller zubetreiben.  Das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung.

7. Du bist ein sehr gläubiger Mensch. Jetzt ist in diesem Jahr ein großes Idol einer ganzen Generation bei einem fürchterlichen Unglück ums Leben gekommen: Kobe Bryant. Wie hast du die Nachricht aufgenommen und was hat er für dich bedeutet?

Wir hatten gerade einen riesigen Schritt in Richtung Meisterschaft gemacht mit dem 2. Sieg gegen Bochum. Wir waren alle so glücklich. Unbeschreiblich.
Und dann erfährst du 1 Stunde später, dass dein Idol gerade bei einem
Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen ist. Sean hat mir die Nachricht
übermittelt, weil er wusste, was Kobe für mich bedeutete. Ich war wie betäubt und konnte es einfach nicht glauben. Jetzt ist es 2 Monate her. Wenn ich mir Spiele von damals ansehe, ist es immer noch unbegreiflich, aber man muss es akzeptieren. Kobe ist tot, aber er ist nie vergessen. In meinem Herzen bleibt er immer mein Basketball Idol.

8. Wie sieht deine Zielsetzung für die kommende Saison aus?

Eigentlich sollten wir noch mitten in der Saison sein. Deswegen habe ich mir noch keine genauen Gedanken über die nächste Saison gemacht. Natürlich gibt es vieles zu besprechen, sowohl personell als auch organisatorisch, aber das wichtigste Ziel derzeit ist, und das gilt nicht nur für mich, sondern für alle anderen auch: Bitte bleibt alle gesund, damit wir uns bald in der Halle bei unserer Leidenschaft wiedersehen können.

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