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Interview mit Roger Nagel

  1. Lieber Roger, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu dem Gewinn der Meisterschaft mit der U14 1 in der Jugendoberliga. Du bist jetzt schon einige Jahre Trainer. Was für einen Stellenwert nimmt diese Meisterschaft für dich ein?

Vielen Dank. 

Zunächst einmal zu den Jahren meiner Tätigkeit als Trainer. 1970 habe ich in Schleswig-Holstein meinen Trainerschein gemacht, als damals 17jähriger. Mit dem Ende dieser Saison werde ich also 50 Jahre Trainer sein. Insofern ist der allererste Gedanke: Gottlob, ich kann es noch.

Jetzt aber im Ernst: Es ist für jeden Coach immer wieder ein Erfolg, wenn man am Saisonende auf dem 1. Platz steht. Mit dieser U14w1 war das aber eine besondere Situation. 

Wir hatten vor der Saison drei Mädchen, die wir neu in den Mädchenbasketball eingliedern mussten. 

Kim Störmer, Lina Boskowska und Annalena Hornung hatten zwar zuvor schon Basketball in einer gemischten Mannschaft (zusammen mit Jungen) gespielt. Und da haben Mädchen eine ganz andere Rolle als wenn sie in einem reinen Mädchenteam spielen. Während sie sich da „verstecken“ können und die Jungs im Zweifel die Entscheidungen übernehmen, geht das bei uns nicht. Hier muss jede Spielerin fortwährend Verantwortung übernehmen und das hat unmittelbaren Einfluss auf Sieg oder Niederlage.

Sofija Jaric kam im Januar 2019 von einem anderen Verein zu uns. Dort hat sie sportlich die Alleinunterhalterin gegeben. Sie musste einfach alles machen und können. Bei uns hat sie gelernt, eine fest umrissene Aufgabe zu lernen und umzusetzen. Und das mit großem Erfolg. Zur Zeit wird sie vom WBV ganz genau unter die Lupe genommen und beim Auswahltraining getestet. Sie hat da große Möglichkeiten.

Katerina Semerdjieva hat vor der Saison noch kein einziges Punktspiel gemacht. Da sie aber sehr schnell motorisch lernt, habe ich das Experiment gewagt, sie in unsere 1. Mannschaft zu nehmen. Das kann man als erfolgreich bewerten obwohl es für sie so viel Neues zu lernen gab und gibt.

Mit Tara Eryaman, Sevval Altunsaray, Louisa Mast und Nora Kayser habe ich vier Mädchen mein Vertrauen geschenkt, die in letzten Jahr noch in unserer 2. Mannschaft (unter meiner Regie) trainiert und gespielt haben. Alle haben sich extrem gut weiterentwickelt. Das hat meinen großen Respekt.

Tabea Kleinevoss und Ricarda Kühn haben bereits in der letzten Saison unter Centa Hermann in der 1. Mannschaft gespielt. Sie sind also das Rückgrat der Mannschaft. Mit ihrer Erfahrung haben sie dem Team sehr geholfen.

Isabelle Gubelt, Paula van Bree und Marta Füßlein sind aus der letztjährigen U12w1 ins Team gekommen und haben damit den „normalen“ Weg bei uns genommen. Damit haben die richtigen Mädchen einen weiteren Schritt ihrer spielerischen Entwicklung gemacht.

Das sind – wenn man so will – „Roger’s 14“. 

Wir haben so viel richtig gemacht und zusammen erreicht. Ich freue mich für die Mädchen. Sie haben sich diese Meisterschaft verdient und immer einen ausgezeichneten Teamgeist gezeigt. Mir war jedes Training mit ihnen eine reine Freude.

2. Hast du von Anfang an mit diesem Erfolg gerechnet oder wie war die Zielsetzung zu Beginn der Saison?

Man konnte zu Saisonbeginn nur rätseln.

3. Passt die Zusammensetzung im Team?

Wenn Du da Zicken dabei hast, dann kannst Du es gleich vergessen.

4. Wie ist die Leistungsmotivation?

Hast Du zwei oder drei „Schlafmützen“, dann machen die Dir alles kaputt

5. Wie gelingt die Integration?

Wenn es da einen zu starken „Hühnerhof“ gibt, kannst Du einpacken.

6. Hast Du das richtige Trainingsprogamm?

Wenn Du die Spielerinnen nicht da abholen kannst, wo sie sind, und ihnen auch nicht das adäquate „Futter“ bietest, dann dümpelt eine Saison so vor sich hin.

Also: Ich habe gehofft, am Ende irgendwo oben dabei zu sein. Mehr „Kristallkugel“ geht am Anfang nicht. Schön, dass das dann so gut geklappt hat.

7. Du hast ja nicht nur dieses Team, das du betreust. Wie beurteilst du die Ergebnisse deiner anderen Teams und, was eigentlich noch viel wichtiger ist, wie ist dort die Entwicklung der Spielerinnen?

Es ist richtig. Ich hatte auch noch die U12w1, die U14w2 und die U10w2, die gar nicht am Spielbetrieb teilnimmt.

Die U12w1 hat ihre Oberliga ja auch gewonnen. Damit haben wir einen weiteren Titel in unserer Erfolgsliste. In der Runde der besten acht Teams im WBV sind wir in unserer Gruppe aber „nur“ 3. geworden. Die Mädchen sind sehr gewachsen in der Saison und die Regelung des WBV, am Ende noch einmal eine Runde von Spielen zu organisieren, die „auf Augenhöhe“ stattfinden, war für unsere Entwicklung goldrichtig.

In der U14w2 hatten wir erhebliche Probleme. Das Team hatte vorwiegend Mädchen aus dem jüngeren Jahrgang und die älteren hatten nur wenig Spielerfahrung. Demzufolge haben wir auch einen Platz in den unteren Rängen belegt. Aber: Alle Spielerinnen haben sich stetig entwickelt und sind immer besser geworden. Leider hat es nicht für mehrere Siege gereicht. Die Motivation im Training war immer da und wir haben das Team nicht zurückgezogen. Auch das sind Punkte, die man als Erfolg verzeichnen kann.

In der U10w2 haben wir eine Gruppe von ca. 20 Mädchen (und wir haben noch eine U10w3 !!!), die sehr ehrgeizig trainieren. Das ist ja die Basis für unsere nächsten Jahre. Hier ist mir nicht bange. Wir haben uns für die nächste Saison ein besonderes Entwicklungsprogramm ausgetüftelt. Man wird noch von uns hören.

8. Dann noch eine Frage als 1. Vorsitzender des Vereins: ihr seid mit der 1. Damen-Mannschaft in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Wie fühlt sich das an, die Zielsetzung, innerhalb von 4 Jahren nach der Gründung des Vereins, eigentlich übererfüllt zu haben? Eigentlich war das erst nach 5 Jahren geplant.

Hier muss man einmal meinem Partner Sean Lowe ein Riesen-Kompliment machen. Er hat es geschafft, in jedem der vier Jahre unseres Bestehens Teams auf die Beine zu stellen, die immer viel zu gut für die Liga waren. Für mich waren sie immer überdimensioniert. Das in den erstendrei Jahren ja auch in den Resultaten ablesbar gewesen. Im Schnitt haben wir immer 100:30 gewonnen. Viele Zuschauer haben dauernd über zu wenig Spannung gemault. Ein typisch Düsseldorfer Luxusproblem. So ist man hier halt.

Vor der letzten Saison war das anders. Wir haben wirklich nicht gewusst, wo wir landen werden. Regionalliga, das war für uns eine unbekannte Landschaft. Aber Sean und unser Coach Omar Collington haben es geschafft, die Liga zu rocken. Unglaublich. Und danke an alle diese tollen Spielerinnen, die uns das möglich gemacht haben Hier möchte ich aber nicht ins Detail gehen. Das sollen Omar und Sean machen.

Ja – wir hatten vor vier Jahren das Ziel „Aufstieg in die Bundesliga“. Und für Sean war das nicht „nur“ die 2. Liga. Mein Ehrgeiz ist auch groß, aber ganz ehrlich: Ich war mit dem Ziel 2.Liga zufrieden.

Dass uns das jetzt schon gelungen ist, ist eine Sensation. Ich kann es noch nicht ganz fassen. Wir hatten einen 5-Jahres-Plan. Den haben wir glatt um ein Jahr unterboten. Fantastisch. 

Wer hat sowas je geschafft? Eigentlich nur die Hamburg Towers, die ihren Weg in die 1. Bundesliga der Herren ebenso straight gegangen sind. Da sind wir also im Kreis einer ganz besonderen Elite.

Bei einem Orientierungsgespräch kürzlich im SSB hat Sean den Herren versprochen, dass wir nun ein Sabbatjahr einlegen wollen. Ziel ist es, uns dort festzusetzen und nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Ich fürchte, er hat da nicht die Wahrheit gesagt. Er wird wieder versuchen, aufzusteigen.

9. Wie siehst du die Entwicklung innerhalb des Vereins. Ist der Verein auf das Kapitel 2. Bundesliga gut vorbereitet?

Man muss zu diesem Thema unsere Kampfansage von 2016 in den Fokus nehmen. Damals haben wir gesagt, dass wir die Sportlandschaft Basketball in der Sportstadt Düsseldorf neu aufstellen wollen. Für Mädchen und Frauen. Das haben wir spektakulär geschafft. Wir haben gezeigt, wo man landen kann, wenn Fachleute in einem Verein das sagen haben. Damit meine ich spezifische Kenner der Sportsart.

Wenn Du nur Verwalter in den Entscheidungsgremien hast, dann ist das Standard. Und mit gewöhnlichen Machern wirst Du auch nur gewöhnlichen Erfolg erzielen. Was Dich von anderen absetzt, sind außergewöhnliche Ideen und Maßnahmen. Die haben wir – und wir haben die außergewöhnlichen Trainerinnen und Trainer gefunden, die uns auf diesem Weg begleiten und bereichern.

Mehr möchte ich dazu hier nicht sagen. Das ist schließlich unser Betriebsgeheimnis, das macht uns so gut. 

Wir sind ALLES.AUSSER.GEWÖHNLICH.

Schaut euch nur die Rankings unserer anderen Mannschaften an. Wir sind auf breiter Front an allen anderen Mitbewerbern in Düsseldorf vorbeigezogen.

Nun zum Teil 2 der Frage. Sind wir für die 2. Bundesliga gut vorbereitet?

Hier muss differenziert werden: 

Organisatorisch – Administrativ – Personell – Finanziell

Organisatorisch haben wir ein Konzept. Ohne Unterstützung des SSB, des Sportamtes und der Parteien können wir das aber nicht umsetzen. Da sind wir in Gesprächen.

Administrativ wissen wir was auf uns zukommt. Das bekommen wir gebacken.

Personell sind wir voll im Stress. Sean ist in Sachen Spielerinnen und Coachingteam auf einem guten Weg. Wir werden einige Kracher verkünden können.

Finanziell können wir erstmals eine Saison nicht aus dem eigenen Geldbeutel bestreiten. Wir brauchen ganz einfach die Hilfe der städtischen Fördertöpfe, eigene Sponsoren und wieder die Hilfe unserer unglaublichen Elternschaft.  Da sind wir aber guter Hoffnung.

10. Was für sportliche Ziele hast du für die kommende Saison als Trainer?

Puhh – Du machst es mir wirklich nicht leicht.

Aus der Vogelperspektive muss ich nun in die Froschperspektive zurück.

Aber gut.

Ich hoffe schon seit einiger Zeit, dass ich die 50 Jahre als Trainer vollenden kann. Das ist ja jetzt geschafft. Danke Schicksal.

Nun möchte ich unbedingt noch wenigstens ein weiteres Jahr Coach sein. Ich denke, das haben in Deutschland bisher nicht allzu viele geschafft. Da bin ich einfach nur eitel. 

Für die neue Saison ist es mir wichtig, den Sportbetrieb für Mädchen in NRW breiter aufzustellen. Es ist also die Fortsetzung der Kampfansage von 2016 – diesmal nur für unser ganzes Bundesland. Ich bekomme bei Arbeitskreisen im WBV Schnappatmung, wenn ich höre, dass Mädchen erst ab der U12 in der Lage sein sollen, an Wettkämpfen teilnehmen zu können. 

Wieso denn das ? Jungen lasst ihr ja auch schon in der U10 in Ligen spielen.

Wenn es also auch weiterhin im WBV keine Ligen für Mädchen im U10 Alter gibt, dann müssen wir es selbst in die Hand nehmen. 

Also werde ich U10 und U12 Mädchenligen organisieren. Die nennen wir Bascats Ligen. Hier werden wir befreundete Vereine anschreiben , um ihnen auch die Möglichkeit geben, mit und gegen uns zu spielen.

Unser Verein wird in der nächsten Saison vier Mannschaften in der U10 in den Spielbetrieb entsenden und fünf Teams in der U12 haben. Das ist in NRW ohne Vergleich.

Ich werde die U10w2, U10w3, U10w4 betreuen und die U12w3, U12w4 und U12w5. Darüber hinaus die U14w1. 

Es schaut so aus als wenn ich keine Langeweile haben werde.

11. Hand aufs Herz: als du den Verein vor 4 Jahren zusammen mit Sean gegründet hast: hattest du mit diesem Erfolg gerechnet und wo siehst du die Gründe für diesen Erfolg, der ja eigentlich seinesgleichen sucht.   

Wer jetzt sagt, er habe damit gerechnet, der braucht dringend einen Arzttermin.

 Sean und ich hatten 2015 Vorstellungen davon, wie wir es anpacken müssen, um spektakuläre Erfolge feiern zu können. Uns haben damals fünf Frauen geholfen, den Verein zu gründen. Im Nachhinein ist es mir ein wenig peinlich, dass gerade wir zwei Männer 1. und 2. Vorsitzender geworden sind. Ich denke aber, das war unserer großen Leidenschaft für die Sache und unserer Detailkenntnis geschuldet. Habt dafür meinen herzlichen Dank.

Es ist in den Antworten zuvor ja schon angeklungen: Dieser Erfolg ist nur möglich geworden durch unglaubliche Unterstützung. Von Anbeginn an haben wir eine Elternschaft, die uns nicht nur in unseren Ideen folgt. Sie unterstützen uns auch überall da, wo wir um Hilfe bitten. Die Spielerinnen wissen, wo sie bei uns sind. Das vertreten sie auch offensiv z.B. auf den Schulhöfen, wo sie mit Spielerinnen anderer Verein zusammen kommen. Wer bei uns ist, weiß, dass man in einer Elite Mitglied ist. Das finden wir zwar auch etwas abgehoben aber dazu stehen wir.

Wenn Du in allen wichtigen Bereichen „follower“ findest, musst Du schon sehr viel falsch machen, um keinen Erfolg zu haben. Wir haben offenbar nicht allzu viel Fehler gemacht.

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